Schulneubau in Bünningstedt - Vorreiter im kommunalen Klimaschutz

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich in Ammersbek eine kleine Revolution zugetragen. Allerdings ohne Revoluzzer, sondern mit überfraktioneller Einigkeit, die zu mehr Klimaschutz und weniger Betriebskosten führt - bei der Energieversorgung der neuen Schule in Bünningstedt.

Die Geschichte dahinter: Die alte Schule ist marode und entspricht in ihrer baulichen Struktur nicht mehr der modernen pädagogischen Ansprüchen. Nach vielem Hin und Her (die Grünen wollten flächenschonend sanieren, der CDU war der Neubau zu teuer, die SPD wollte maximal fünf Millionen ausgeben) ruckelte sich alles realitätsnäher zurecht: Die neue Grundschule sollte, nach Abzug von rund zwei Millionen Euro Förderung aus Landesmitteln gut acht Millionen Euro kosten.

Zum Entsetzen der Grünen war für die Heizung eine Luft-Wärme-Pumpe vorgesehen, die in Spitzenzeiten von einer Erdgasheizung unterstützt werden sollte. Also zwei Heizsysteme, davon eines mit fossiler Energie. Dazu nur eine kleine Solaranlage für den Strombedarf der Luft-Wärme-Pumpe. Diese neue Schule sollte damit nur den Energiestandard KfW 55 erfüllen, obwohl sie mit einem riesigen südgeneigten Dach und großem Grundstück eigentlich prädestiniert ist für erneuerbare Energien.

Die Grünen stellten daher im Dezember 2020 den Antrag zur Nutzung von Sonnenergie für den Neubau mit Prüfauftrag an die Verwaltung. Sie sollte auskundschaften, ob auch die Heizung rein regenerativ mit Erdwärme möglich wäre. Für die Prüfung, ob Erdwärme dort nutzbar ist, musste eine 20. 000 Euro teure Testbohrung beauftragt werden. Alle anderen Fraktionen sahen ebenfalls die Notwendigkeit des Klimaschutzes und stimmten dafür. Der Fachingenieur des Bauamtes kniete sich in die Bearbeitung hinein und kam zu einem Ergebnis, das alle Fraktionen überraschte und die Ammersbeker Grünen restlos begeisterte:

Eine Beheizung durch Erdwärme ist machbar: mit einer Sole-Wasser-Wärmepumpe und 16 Sonden, die 140 Meter tief ins Erdreich hinabstoßen. Eine große Solaranlage auf dem Dach ist ebenfalls machbar und kann von Greenpeace Energy übernommen werden. Sie wird nicht nur den Strombedarf der Schule sondern auch gleich den der benachbarten Kita decken. Und der Clou ist, dass die Schule damit den höchsten Energiestandard, KfW 40 erfüllt. Dadurch gibt es mehr Fördergeld von der KFW-Bank, so dass unterm Strich die rund 300 000 Euro Mehrkosten von dem Tilgungszuschuss beim KfW 40-Standard vollständig aufgefangen werden. Dafür sinken die jährlichen Betriebs- und Unterhaltungskosten um mehr als 3000 Euro.

Fazit: Mehr kommunaler Klimaschutz ist möglich und nicht immer teuer. Versuch macht klug.

2104 PL Solardach