Die Klimakrise ist in aller Munde. Feinstaub, Fahrverbote, Stickstoffbelastung, CO2-Ausstoß und ökologischer Fingerabdruck begegnen uns in fast allen Medien.

Vernachlässigt und wenig beachtet wird oft, dass auch der Flächenverbrauch, die Versiegelung und Zersiedelung von Landschaft, manchmal gar ihre Zerstörung und die Art des Bauens und Wohnens, der Erhalt von naturnahen Räumen für mehr Biodiversität, für Bienen & Co. wichtig sind für die Ökosysteme und unser aller Zukunft.

Ammersbek ist zu Recht stolz darauf, eine grüne Gemeinde zu sein. Wohnen und Naherholung in Wald und Flur liegen hier dicht beieinander.

Und auch deshalb hatte sich die Mehrheit aus SPD und Grünen in Ammersbek 2009 auf Nachverdichtung und Schonung des grünen Außenbereichs geeinigt. Aber die damalige "Opposition" scheint noch immer anderer Meinung zu sein, wie eine Radiosendung vom 28.4.19 zeigt: "Immobilienboom, was wird aus den Gemeinden?“ 

Ab ca. Minute 26 äußert sich dort die Fraktionsvorsitzende der CDU, Christiane Maas:
"Das Kernproblem ist, dass wir einerseits bis an die Baugrenzen den Landschaftsschutz rangezogen haben. Und ansonsten finden die Leute alle Ammersbek so schön, dass sie dort eigentlich keine anderen Menschen mehr in größerem Umfang haben möchten." 

Jürgen Ehrig (SPD) weist in dem Radiobeitrag darauf hin, dass in Ammersbek das Bauvolumen, das der Landesentwicklungsplan zulässt schon ausgeschöpft wurde. Er bezieht sich damit nicht nur auf diverse neue Einfamilienhäuser, die durch Grundstücksteilungen gebaut werden konnten, sondern auch auf die größeren Baugebiete, die derzeit gefüllt werden: Schäferdresch (am großen Timmerhorner Teich), Rehagen (An der Strusbek), Hoisbüttel-Dorf (Wohnpark An der Bredenbek) und in Lottbek jetzt das große Wohn-und Geschäftshaus am Bahnhof.

Für mehr Bauflächen braucht es die Genehmigung des Landes. Die CDU hat beim Innenministerium laut Maas schon mehrere Vorschläge für Neubauflächen gemacht, jedoch jedes Mal zu hören bekommen: 'Wir können das aus Naturschutzgründen nicht genehmigen.' Aber Maas kann das überhaupt nicht nachvollziehen und kommentiert auf Welle Nord: "Wenn Sie sich an einigen Stellen einmal umschauen, wissen Sie gar nicht, was Sie da noch kaputt machen sollen, also da ist wirklich nicht viel."

Vielleicht erklärt Frau Maas ja die Tage noch, wie sie sich die Zukunft in Ammersbek vorstellt, für die die Jugend derzeit überall auf die Straße geht. Ein paar Anregungen findet sie sicher bei Rezo in seinem viralen Video.

Gemeindegrundstück an der Hoisbüttler Mühle

Nicht viel zum Kaputtmachen? Gemeindegrundstück an der Hoisbüttler Mühle

Wahrscheinlich durch unseren offenen Brief und das damit einhergehende Medienecho – es wurde u.a. im Hamburger Abendblatt, Ausgabe Stormarn, im Stormarner Tageblatt und im Markt berichtet – findet am 20. Februar 2019 um 18.15 Uhr eine Sondersitzung des  Umweltausschusses des Kreistages statt, auf dem zu den Timmerhorner Teichen berichtet werden soll. Wer Zeit hat und mag, kann dort erscheinen und in der Fragestunde vor oder nach der Ausschusssitzung auch seine Fragen stellen.

Ein schöner erster Erfolg. Wir lassen nicht locker. Denn noch hat kein Frosch seinen Teich zurück.

_______________________________________________________

Sondersitzung Umweltausschuss des Kreistages, 

20. Februar 2019, 18.15 Uhr

Sitzungsraum A 129

Mommsenstraße 13

23843 Bad Oldesloe

Tagesordnungspunkt Ö 11.3: Bericht zu den Timmerhorner Teichen

Wir sind in Sorge. Deshalb hat B90/DIE GRÜNEN heute einen offenen Brief an den Landrat, die Wasserwirtschaft und die Bauaufsicht des Kreises Stormarn geschrieben. Dieser ging auch an Medien im Umfeld von Ammersbek.

Gebt mir meinen Teich zurueck

Nachfolgend der Brief im Wortlaut.

Wir sind in Sorge

Sehr geehrter Herr Dr. Görtz, sehr geehrter Herr Geißler, sehr geehrter Herr Bebensee,

es ist in einem extrem trockenen Sommer nicht verwunderlich, dass das Wasser der Strusbek und der Heisterbek nicht ausreicht, um die drei Timmerhorner Teiche zu füllen. Der größte jedoch, der Papen-dönckenteich, ist auch jetzt, nach ergiebigen Regenfällen, noch immer nicht wieder aufgestaut. Die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN der Gemeinde Ammersbek sorgt sich daher um das Biotop Timmerhorner Teiche und den Biotopverbund, aber auch um die Lebensqualität der Bewohner des Ortsteils Rehagen/Schäferdresch.

Den Grünen wurde am 16. Januar 2019 auf Nachfrage im Bauausschuss vom Bürgermeister mitgeteilt, dass der Eigentümer und Inhaber der Staurechte die Ansicht vertrete, er würde keine Fischzucht mehr betreiben und habe folglich auch keine Staupflichten mehr, worüber die Kreisbehörden informiert seien. Unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern drängt sich teilweise die Vermutung auf, dass hier eine Behörde der anderen den „schwarzen Peter“ zuschiebt und am Ende nichts passieren könnte bevor es zu spät ist. Das will, auch und gerade in Zeiten zunehmender Politik(er)-verdrossenheit, niemand von uns.

Wir fordern Sie daher dringend auf, schnellstmöglich zu prüfen, ob der Eigentümer nicht aufgrund der wasserrechtlichen Erlaubnis, der Festsetzungen im  B-Plan und des Biotopschutzes zum Aufstau jetzt verpflichtet ist. Hierzu möchten wir Sie besonders auf folgende Sachverhalte hinweisen:

  • Ziel und inhaltlicher Schwerpunkt des Bebauungsplans 23, Timmerhorner Teiche, war im Wesentlichen "die beabsichtigten baulichen Entwicklungen in Einklang mit der bereits hochwertig entwickelten Gewässerlandschaft zu bringen" und deshalb "das Gewässer und weite Teile des Gewässerufers" zu sichern. Es ist daher eine Frage des Gemeinwohls, also ein öffentlicher Belang, den Teich als solchen zu erhalten. Hieraus ergibt sich eine Ver­pflichtung des Eigentums.
  • der Große Timmerhorner Teich ist im B-Plan 23 als Wasserfläche festgesetzt, hieraus ergibt sich eine Pflicht zum Erhalt des Stillgewässers ableitet.
  • der Teich ist ein eingetragenes Biotop und auch im B-Plan als geschützt festgesetzt. Der Nichterhalt der Wasserfläche führt zu Unterbrechungen im Biotopverbund und zur Verschlechterung der Biotopqualität oder gar zum Verlust seiner Funktion.
  • Seite 2 zum Schreiben vom 25.1.2019-

Wir appellieren an Sie als die zuständigen Behörden, jetzt tätig zu werden, bevor die Timmerhorner Teiche Geschichte sind. Die Menschen verbinden mit ihnen Lebensqualität und für viele Tiere sind sie wichtiger Lebensraum. Muscheln und Frösche wollen ihren Teich zurück! Was können und werden Sie JETZT tun, damit die Timmerhorner Teiche wieder mit Wasser und Leben gefüllt werden? 

Wir freuen uns auf Ihre Antwort.

 

Am Freitag, den 25.01.2019 wurde der imposante Baum in Vorbereitung der Arbeiten für den Neubau am Bahnhof gefällt.

Über 1.300 Menschen aus Ammersbek und Umgebung, hatten sich für den Erhalt aller 3 alten Bäume am Bahnhof im Frühsommer 2017 eingesetzt. Mit ihrem Namen und ihrer Unterschrift unterstützten sie die Petition des NABU Ammersbek. Das Ziel: Den geplanten Baukörper so zu verschieben, dass die geschützten Bäume auch weiterhin für Mensch, Natur und Klima erhalten bleiben können.

Rotbuche 01

Dafür haben die Grünen in den Ausschüssen gekämpft. Schnell war klar, die Linde soll bleiben und auch die Rotbuche direkt am Bahndamm. Aber der nur sechs Meter entfernte Geschwisterbaum sollte dem Baukörper weichen. Zunächst wurde die Standsicherheit der Rotbuche in Frage gestellt. Dann wurde ihr durch ein Zweitgutachten der Gemeinde doch noch ein sehr langes Leben bescheinigt. Schließlich bot der Investor sogar selbst eine geänderte Planung mit verschobenem Baukörper an, der das Ziel alle drei Bäume zu erhalten, ermöglicht hätte!

Rotbuche 02

Aber die Mehrheit der Gemeindevertretung stimmte leider dagegen und hat sich für die ursprüngliche Planung und die Fällung der Rotbuche entschieden. Im Wesentlichen wegen ca. 15 Tiefgaragenplätzen mehr und wegen eines geraden Fußwegs von der Parkpalette zum Bahnhof, der nicht von einem Baum verstellt und womöglich im Zickzack über eine „dunkle“ Hausecke geführt werden muss.

Im Rahmen der immer breiter geführten Diskussion über notwendige Maßnahmen zum Naturerhalt und zur Energie- und Mobilitätswende erscheint diese Entscheidung alles andere als klug und nachhaltig in ihrer Güterabwägung gewesen zu sein.