Große Ausgaben und kleine Sparmaßnahmen

Am 24. Oktober 2018 liegt dem Bauausschuss ein Antrag vor, für den Anbau der Feuerwehr in Hoisbüttel-Dorf 70.000 € Zusatzkosten zu bewilligen. Weil Freiflächen durch die Gebäudeerweiterung wegfallen, wünschen sich die Feuerwehrleute das Dach ihres neuen Anbaus begehbar, was eine bessere Statik, Plattendeckung und aus Sicherheitsgründen ein Geländer erfordert. Als Zweck wird in der Vorlage "Kameradschaftsarbeit" geannt.

Soziales Miteinander in einer Dorfgemeinschaft ist wichtig, es stärkt die Dorfidentität und das Wohlbefinden. Deshalb werden überall im Land beispielsweise Vereine finanziell unterstützt. Das sind sogenannte "freiwillige Leistungen", die Ammersbek wegen knapper Kassen vor Jahren deutlich reduzierte.

Dass der Gürtel eng geschnallt wird, sieht man in Ammersbek allerdings eher im Kleinen, etwa bei Vereinen. Zwei Beispiele aus 2018: Für seine Parkplatzsanierung bittet der Hoisbütteler Sportverein um 50 %, nämlich 5000 € Zuschuss. Die FDP will nur 1500 € gewähren, die CDU nur 35 %. Am Ende bewilligt die Mehrheit der anderen Parteien den ursprünglichen Antrag. Die Tennissparte des Vereins, in der auch 130 Kinder und Jugendliche spielen, bittet um knapp 5 %, 7400 € Zuschuss für eine Grundsanierung der Tennisanlagen. Dies wird von Verwaltung und Politik abgelehnt, da man einzelne Sparten nicht bevorzugen will.

Im Kleinen wird also versucht zu sparen, im Großen summieren sich die notwendigen Ausgaben auf viele Millionen Euro (Schulden), durch den gewünschten Neubau der zweiten Ammersbeker Feuerwache, zwei sanierungsbedürftige Grundschulen, Mehrbedarf an Kita-Plätzen und ein Netz von maroden Straßen. Das alles wird unweigerlich zu einer deutlichen Grundsteuererhöhung führen, zumal Baukosten infolge des Baubooms landesweit kräftig angestiegen sind.

Es wird daher spannend, wie der Bauausschuss abstimmt. Wir Grünen jedenfalls werden, auch wenn wir den Wunsch nach Ersatz für die weggefallene Außenfläche nachvollziehen können, gegen die Bewilligung der 70.000 € stimmen, denn die Einnahmen der Gemeinde werden sicherlich in diesem Jahr nicht ausreichen, um die notwendigen Ausgaben zu decken.

Aber da bereits eine Tür zum Dach eingebaut wurde, besteht die Dachterrassenoption auch noch zu einem späteren Zeitpunkt. So könnte versucht werden, Fördermittel zu akquirieren, damit von der Gemeinde nur noch ein Zuschuss notwendig wäre. Vielleicht könnte die Feuerwehr sogar Sponsoren für solche kameradschaftsstärkenden Maßnahmen gewinnen. Zu prüfen wäre allerdings, ob "Kameradschaftsarbeit" auf dem Dach (weit reichender Schall) nachbarschaftsverträglich ist.

Feuerwehrwagen