Was die Grünen sich für die "Nacktkultur" Jersloge wünschen

In den 20er des vorigen Jahrhunderts hatten zwei Vereine für Freikörperkultur das Gelände an der Grenze zu Wohldorf gepachtet, um dort am Wochenende ihren Sonnenfreuden nachzukommen. FKK-Camping wird nur noch auf einem Teil des Geländes betrieben, auf dem anderen hat sich fern vom Blick der Öffentlichkeit baulicher Wildwuchs entwickelt.

Das Problem ist, dass dieser baulich genutzte Bereich schon bei der Ausweisung der Naturschutzgebiete Duvenstedter Brook (1958), Hansdorfer Brook (1981) und Ammersbek-Niederung (2002) ausgespart werden musste. Innerhalb der letzen 15 Jahre wurde die europaweite Bedeutung dieser Schutzgebiete erkannt, so dass sie in die höchsten Schutzkategorien befördert wurden und nun zum europäischen Natura 2000-Netzwerk gehören, geschützt nach der europäischen Vogelschutz- und Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Aber gerade innerhalb dieser 15 Jahre, in denen das EU-Verbundsystem zum Schutz von Lebensräumen und Arten aufgebaut wurde, mit einem gesetzlich verankerten Verschlechterungsverbot, hat sich die Zahl der Hütten und Schuppen, wie an Satellitenbildern erkennbar ist, deutlich erhöht. 

Jersloge Schutzgebiete kleinLLUR 2013

Die streng geschützten Feuchtlebensräume sind besonders empfindlich gegenüber Einwirkungen von außen, die den Boden oder den Wasserhaushalt beeinträchtigen, oder die über die Ausbreitung standort­fremder Pflanzen zu einer Veränderung der Flora und Fauna führen. Die obere Naturschutzbehörde (LLUR) hat jüngst festgestellt, dass von dort Gartenabfälle in die Schutzgebiete entsorgt werden. Eigene Recherchen ergaben, dass dort dauerhaft gewohnt wird (mind. Sommerhalbjahr) und Hütten ohne Baugenehmigung neu und größer errichtet wurden. Außerdem gibt es WCs, mit Grundwasser gespült, deren Abwasser in jeweils gegrabenen Löchern entsorgt wird, und gärtnerische "Pflegemaßnahmen" werden auch auf die Umgebung der Grundstücke ausgedehnt.

Das „Wochenendhausgebiet Jersloge“ ist bereits im Landschaftsplan Ammersbek 1981 als „Exklave mit naturschutzwidrigen Beeinträchtigungen“, bezeichnet, die als Keil „in die Schutzgebiete hinein …ragt“. Auch im Landschaftsplan 1998 legt die Gemeinde fest, das Freizeitwohnen dort schrittweise reduzieren zu wollen. Dies entspricht den Zielen von Kreis und Land (Landschaftsrahmenplanung 2003), die solche "Schwerpunkträume des Biotopverbundsystems" am Hamburger Rand weiterentwickeln und beseitigte Lebensräume wiederherstellen wollen.

Seitdem ist in diese Richtung von kommunaler Seite nichts unternommen worden. Bis zum Sanktnimmerleinstag würde dieses Geschwür die Schutzgebiete durch Weiterverkauf oder Vererben und unkontrollierten Neubau beeinträchtigen.

Deshalb möchten die Grünen endlich eine Lösung finden, ohne die jetzigen Nutzer dort vertreiben zu wollen. Ideal wäre es, wenn die Gemeinde mit ihnen eine Vereinbarung trifft, dass sie z.B. spätestens in 20 Jahren die Grundstücke nach und nach aufkauft. Danach könnte die Stiftung Naturschutz das gesamte Gelände von der Gemeinde erwerben und es den Naturschutzgebieten angliedern.

"Zurück zur Natur", das Motto der damaligen naturliebenden Nudisten, könnte so in einem Vierteljahrhundert Realität werden.

Baufirma im Schutzgebiet Baufirma statt Wochenendhaus?

(Foto: Petra Ludwig-Sidow)