Ammersbek auf dem Weg zur nachhaltigen Waldnutzung

Geht man in Ammersbek in den Wald, ist man auch schon wieder draußen. Oder man betritt nach wenigen Metern Wald, der Hamburg gehört. Die Grenze ist nicht sichtbar, der Unterschied schon: Der Ammersbeker Wald wirkt entweder wie leergeräumt - kaum Totholz, kaum Baumruinen mit Spechtlöchern und Pilzen - oder er ist ein "Waldacker". Vor wenigen Jahrzehnten aufgeforstet, sind die Bäume gleich alt, gleich dick, gleich hoch. Alle 20 Meter ist der junge Forst durchzogen von Schneisen für die Erntemaschine.

Jeder noch so kleine Weg im oder am Wald ist geprägt von Verkehrssicherung: Bäume werden vorsichtshalber bis 30 Meter vom Weg entfernt gefällt. Schutzzeiten werden meist nicht eingehalten, weder die Brutzeit der Vögel noch die Nachtruhe der Bürger. Schon lange gibt es darum Kritik an der Bewirtschaftungsweise.

Bornhorst leergeräumt

 

Waldacker

Nun haben sich Politik und Verwaltung entschlossen, daran etwas zu ändern. Auf seiner Sitzung am 14. September 2015 fasste der Umweltausschuss (UA) gegen die Stimmen von FDP, UWA und einer der SPD einen wegweisenden Beschluss, der der Auftakt ist zu gemeinsamen weiteren Überlegungen:

"Als Grundlage für die künftige Nutzung der Ammersbeker Waldflächen werden Grundsätze festgelegt.
Der verabschiedete Wirtschaftplan mit der Forstbetriebsgemeinschaft wird ab sofort ausgesetzt, erforderliche Sicherungsmaßnahmen und erforderliche Einzelmaßnahmen werden erst nach Ab- und Zustimmung durch die Gemeinde und Politik durchgeführt."

Genannt wurden in der Vorlage auch Ideen wie Ausweisung von Naturwaldflächen und die 2010 von Ammersbek unterzeichnete Biodiversitätsstrategie.

Dieses Umdenken beruht im Wesentlichen auf Überlegungen des NABU Ammersbek über einen naturverträglichen Umgang mit unserem Wald. Der NABU lud im März 2014 den ehemaligen Leitenden Forstdirektor der Hansestadt Lübeck, Dr. Lutz Fähser zu einem öffentlichen Vortrag ein. Viel interessiertes Publikum, darunter auch einzelne Ammersbeker Politiker sowie Bürgermeister und Bauamtsleiterin folgten der Einladung.

Durch den Vortrag wurde deutlich, dass mit der Lübecker Methode nicht nur besserer Wald und mehr Natur das Ergebnis sind, sondern auch geringere Bewirtschaftungskosten. Deshalb regten die Grünen bei der Verwaltung an, Herrn Dr. Fähser zum Umweltausschuss einzuladen. Auf der Sitzung im November 2014 stellte er dort den Lübecker Weg vor. Dieser basiert auf dem sogenannten Prozessschutz und ruht auf drei Säulen:

  • Annäherung an natürliche Waldgesellschaften (Naturnähe),
  • Orientierung am natürlichen Ertragsniveau (Suffizienz) und
  • Minimierung von Eingriffen (Minimum-Prinzip)

Herr Dr. Fähser stellte dar, dass ökologisch optimales Funktionieren eine Voraussetzung für ökonomisch optimale und nachhaltige Ergebnisse ist. Dass diese Vorgehensweise Kosten spart, weil der Bewirtschaftungsaufwand reduziert wird, schien den Bürgermeister, aber auch viele im Ausschuss zu überzeugen.

Der Ammersbeker Wald wird seit mehreren Jahrzehnten von der Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) per Vertrag bewirtschaftet. Hierüber informierte Reinhard Schulte, Bezirksförster der Landwirtschaftskammer, den Ausschuss im Februar 2015. Sein Vortrag zeigte: Nur gut 80 Hektar Wald, wie Konfetti über das Gemeindegebiet verstreut, liefern kaum mehr als Palettenholz und Holzhackschnitzel. Trotzdem zählt nur der kurzfristige Holzertrag; Naherholung und insbesondere Naturschutz waren weder in seinem Vortrag Themen, noch findet man sie in der praktischen Umsetzung durch die FBG.

Der Beschluss des Ausschusses, Durchforstungen und Baumfällungen erst einmal zu stoppen und Wegesicherung besser zu kontrollieren, und dann für die nächste Betreuungsperiode gemeinsam Ziele zu finden, ist in den Augen der Grünen dringend notwendig. Aus der Runde der SPD kam von einer ehemaligen Grünen sogar der Vorschlag, doch den ganzen Ammersbeker Wald zu nichtbewirtschaftetem Naturwald zu machen. Auch kein schlechter Vorschlag, auf dem Ausschuss zeigte sich nämlich, dass sogar die Waldteile, die in Naturschutzgebieten liegen, unangemessen behandelt werden. Die Verwaltung berichtete, dass die FBG eine Stellungnahme abgeben soll, um Räumungen und Fällungen in einem Waldstück aufzuklären.

Altbaumschutz Schüberg